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März 2010

Häusliche Gewalt in Armenien

Gewalt in der Familie, von der vor allem Frauen betroffen sind, ist auch in Armenien ein weit verbreitetes Problem.

Nach Untersuchungen von armenischen NGOs wie dem Frauenrechtszentrum und von AI tritt sie zwar nicht häufiger auf als in anderen Ländern auch. Aus verschiedenen Gründen ist jedoch eine Lösung des Problems erschwert.

  • Häusliche Gewalt wird in Armenien von der Gesellschaft im Allgemeinen und von Behörden und Politikern im Besonderen als Familienangelegenheit angesehen, über die man nicht mit Außenstehenden spricht. Die betroffenen Frauen schämen sich, Hilfe zu suchen; tun sie es doch, so werden ihnen von Nachbar/innen, Familienmitgliedern, Freunden und Freundinnen nicht selten Vorwürfe gemacht. Ihre Anzeigen werden nicht ordnungsgemäß bearbeitet, Behörden und Gerichte versuchen, sie zum Einlenken zu bewegen.
  • Es gibt nach wie vor kein Gesetz, das häusliche Gewalt explizit unter Strafe stellt - ein schon vorliegender Gesetzesentwurf wurde bislang nicht ratifiziert. Zwar kann auch nach den allgemeinen Strafrechtsvorschriften Anklage gegen Täter erhoben werden, jedoch geschieht dies meist nur in besonders schweren Fällen. Den Besonderheiten häuslicher Gewalt, insbesondere dem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Täter und Opfer, wird nicht Rechnung getragen.
  • Wegen der hohen Arbeitslosigkeit, Mangel an Wohnraum und sozialer Unterstützung, aber auch wegen des niedrigen sozialen Status alleinstehender bzw. geschiedener Frauen sind Opfer häuslicher Gewalt häufig gezwungen, weiter mit dem Täter zusammen zu leben, obwohl sie keine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation sehen.

Aus diesen Gründen unterstützt Amnesty die Forderungen armenischer Frauenorganisationen, wie

  • Verabschiedung eines Gesetzes gegen häusliche Gewalt;
  • Einrichtung von Frauenhäusern, Beratungsstellen, Notruftelefonen;
  • Bessere Schulung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei
  • Polizei, Strafverfolgungsbehörden, Gerichten und Gesundheitswesen;
  • Abbau gesellschaftlicher Vorurteile.

Hierzu hat Amnesty International eine Kampagne durchgeführt, die unter anderem eine Postkartenkampagne an den armenischen Premierminister Tigran Sarksyan beinhaltete. Die Postkartenaktion ist zwischenzeitlich beendet.

Vielen Dank an alle, die sich daran beteiligt haben.

Weitere Informationen über häusliche Gewalt finden Sie hier.